Vorbericht 202627 der Rheinpfalz, 1.9.2026

DIE RHEINPFALZ — NR. 202

KULTUR REGIONAL

DIENSTAG, 1. SEPTEMBER 2026

 

Parade der großen Namen

Der Verein „Von-Busch-Hof konzertant“ erinnert ein wenig an die SV Elversberg: Man spielt – erfolgreich – in einer Liga, die eigentlich über dem eigenen Budget liegt. Doch während die Kicker aus dem Saarland erst noch zeigen müssen, wie nachhaltig ihr Abenteuer wird, beweisen die Freinsheimer Klassik-Freunde schon seit fast einem Vierteljahrhundert Spielzeit für Spielzeit, dass man mit wesentlich größerer (und reicherer) Konkurrenz mithalten kann. Das bestätigt die neue Saison erneut sehr eindrucksvoll.

VON HOLGER PÖSCHL

Wie schon im vergangenen Jahr star-tet die neue Spielzeit der Konzertrei-he mit einem Gastspiel der Staats-philharmonie aus Ludwigshafen. Die schwärmt zwar schon qua Arbeitsauftrag immer wieder in die Pfalz aus – nach Neustadt, Landau oder Wörth zum Beispiel – und fliegt zudem seit einigen Jahren im Frühjahr auch regelmäßig kleinere Orte mit kleineren Ensembles an. Dass der Freinsheimer Von-Busch-Hof beim Auftaktkonzert am 20. September aber mit Brief und Siegel, sprich: dem offiziellen Programmheft des Festivals, zum kleinen Bruder der Ludwigshafener Philhar-monie avanciert, hat noch mal eine ganz andere Qualität. „Gassmann und Francis“, also der Intendant und der Chefdirigent der Staatsphilharmonie, „lieben die Location“, sagt Rainer Schick, der künstlerische Leiter der Von-Busch-Hof-Reihe.

Zum Auftakt ein Meilenstein der Moderne

„Auftakt“ heißt das vierteilige Mini-Festival, mit dem das Orchester seine eigene Spielzeit zunächst in LU eröffnet, um dann nach drei Konzerten vor Ort zum Abschluss den Abstecher nach Freinsheim einzulegen. Früher firmierte der Saisoneröffnungsreigen unter dem Namen „Modern Times“, was den Verantwortlichen irgendwann aber anscheinend zu abschreckend (für die klassischen Klassik-Freunde) klang. Eine Huldigung an die Moderne ist das Format aber geblieben.  Mit  Arnold  Schönbergs Streichquartett Nr. 2 fis-Moll op. 10, orchestriert für Sopran und Streichquartett, das bei der Uraufführung einen Skandal auslöste, steht in Freinsheim sogar ein Schlüsselwerk auf dem Programm, bei dem sich die Wende von der Tonalität zur Atonalität quasi von Satz zu Satz nachvollziehen lässt. Außerdem erklingt ein zweites Werk aus dem epochalen Jahr 1908, auf das sich das Festival diesmal konzentriert: Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ für Soli und Kammerorchester. Die Sänger(innen) Theano Papadaki (bei Schönberg) sowie Nancy Holt und Archie Inns (bei Mahler) sind Preisträger des Oxford-Song-Festivals, eines renommierten Nachwuchsförderprogramms, die Michael Gassmann mit seinen guten England-Connections an Land gezogen hat. Den Stab bei dem etwa 20-köpfigen Kammerorchester (mehr geht im Von-Busch-Hof beim besten Willen nicht!) führt Chefdirigent Michael Francis höchstselbst. Auch das „Chiarina Quartett“, das bei Schönberg zu hören ist, besteht aus Musikerinnen der Staatsphilharmonie.

Hochkarätig geht es danach im weiteren Saison-Verlauf auch weiter: Namen wie Hanna-Elisabeth Müller oder Tianwa Yang bedürfen unter Klassik-Fans keiner Vorstellung mehr. Erstere, die der Freinsheimer Konzertreihe schon seit Jahren sehr verbunden ist, kommt am 10. Oktober zu einem Liederabend und bringt dabei – ihr langjähriger Klavierpartner hat sich aus dem Konzertbetrieb zurück-gezogen –, diesmal gleich ein siebenköpfiges Kammerensemble der Bay-erischen Staatsoper als Begleitung mit. Ihr Ehemann ist Solo-Fagottist bei den Münchnern, so ließ sich das Arrangement gleichsam auf dem kleinen Dienstweg realisieren. Ein finanzieller Kraftakt sei dieses Konzert aufgrund der vielen Beteiligten aber trotzdem, unterstreicht Walter Schunter, der Vorsitzende des „Von-Busch-Hof konzertant“-Vereins. Das Programm mit Werken von Alexander von Zemlinsky, Richard Wagner und erneut Schönberg (hier aber noch ganz spätromantisch) sollte die Anstrengung aber lohnen, denn Stücke in diesen Fassungen – Sopran plus Klavier und je zwei Violinen, Brat-schen und Celli – würden sonst kaum geboten, erklärt Rainer Schick.

Mit der Geigerin Tianwa Yang, 1987 in Peking geboren, aber längst in Deutschland heimisch geworden, reist im Januar – erstmals – ein weiterer Weltstar nach Freinsheim an. Dass die Verpflichtung dieser Künstlerin, die schon als 13-Jährige die halsbrecherischen Capricen für Violine von Paganini einspielte, ein echter Coup ist, das können Schick und Schunter gar nicht genug betonen. Als Partner agiert der englische Pianist Nicholas Rimmer an ihrer Seite. Das Programm bietet Violinsonaten von Mozart, Brahms, Strauss und Antheil.

Drei Klavier-Recitals im Saison-Programm

Das Klavier spielt auch sonst in dieser Von-Busch-Hof-Saison eine große Rolle – gleich drei Solo-Recitals sind übers Jahr vorgesehen, das erste mit dem Belgier Florian Noack schon En-de Oktober. Als Programmpunkt des Kultursommers Rheinland-Pfalz verspricht es eine „pianistische Zeitreise in die Roaring Twenties“, bei der Noacks neuestes Album „Tales of the Jazz Age“ die Road Map liefert. Eine Besprechung dieser CD im Deutschland-funk war auch der Impulsgeber für die erstmalige Einladung des 36-jäh-rigen Künstlers nach Freinsheim. Das Programm biete dabei keineswegs nur Jazz, erklärt Schick: „Jazz war in den 20er-Jahren ja auch in Klassik und Impressionismus ein großes Thema.“ Dementsprechend stehen neben Stücken etwa von Fats Waller oder James P. Johnson auch solche von Ravel, Poulenc, Gershwin, Schulhoff oder Weill auf Noacks Playlist.

Das Festival „Freinsheim konzertant“, dessen Terminierung zur Weinfestzeit im Herbst im Verein schon von Anfang an als schwierig eingeschätzt worden war, findet dies-mal Ende Februar statt, Auch hier spielt das Klavier eine gewichtige Rolle – kein Wunder, schließlich ist der in Freinsheim bestens bekannte Pianist Joseph Moog der „Artist in Residence“. Er spielt zunächst ein Solokonzert mit Werken von Händel bis Debussy und Ravel, die sich alle irgendwie auf Wasser beziehen. Da-nach steht am Folgetag ein Kammerkonzert mit befreundeten Musikern um Rainer Schick, den Solo-Oboisten der Staatsphilharmonie, mit Werken von Beethoven und André Caplet an. Die Idee, dessen selten gespieltes Quintett für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott von 1898 endlich einmal zusammen in Angriff zu nehmen, bildete sogar den Ursprung der ganzen Unternehmung. Bis auf Schicks Sohn Karlsson am Fagott sind alle beteiligten Bläser Staatsphilharmoniker. Um die eigenen Kräfte nicht zu überfordern und „weil drei Konzerte hintereinander schwer zu ver-markten“ seien, beschränkt sich das Festival diesmal auf zwei Termine.

„Wir haben schon lange versucht, ihn zu kriegen“

Den dritten pianistischen Akzent setzt im Mai dann noch Justus Friedrich Eichhorn mit einem weiteren Solo-Klavierabend und Werken von Bach bis Fazil Say. Der Künstler, Sohn des renommierten Geigers Friedemann Eichhorn, wird dann gerade 18 geworden sein. Rainer Schick kennt ihn seit einem Konzert mit der Staatsphilharmonie in Speyer im letzten Jahr. „Nach drei Minuten war klar: Der kann was“, sagt er. Der junge Mann sei ein „Rising Star“: „Der wird sehr schnell abgehen.“ Umso wichtiger ist es für eine so sehr auf Netzwerken basierende Reihe wie „Von-Busch-Hof konzertant“, sich ein solchen Talent frühzeitig zu sichern.

Vor dem Jahreswechsel steht im Advent aber erst noch ein Liederabend mit dem Tenor Daniel Behle an, der bei Schuberts „Winterreise“ jedoch nicht von einem Solo-Pianisten, sondern von einem ganzen Klaviertrio, dem „Trio Pascal“ aus Frank-reich, begleitet wird. Der Sänger, der auch selbst komponiert, ist in der Klassikwelt auch kein Unbekannter. Schick kennt ihn noch von seiner Zeit an der Frankfurter Oper und sagt: „Wir haben schon lange versucht, ihn zu kriegen.“ Das „Trio Pascal“ besteht aus dem Pianisten Denis Pascal und dessen Söhnen Aurélien und Alexandre an Violine und Violoncello. Der Dreier steuert bei dem Konzert im Alleingang auch noch Schuberts suggestives Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur op. 100 D 929 bei, dessen melancholisches Andante con moto sich auch Klassik-Banausen durch Stanley Ku-bricks Monumentalepos „Barry Lyndon“ fest im Ohr eingenistet hat.

Neue Protagonisten bei der Neujahrsgala

Eine gewichtige Neuerung gibt es bei der Neujahrsgala, die nach vielen Jahren erstmals nicht mehr vom beliebten „Schellack-Orchester“ gestaltet wird. Stattdessen feiert am 9. Januar das Ensemble „Spark“, das sich selbst als „Klassische Band“ beschreibt, den „Bohemian Spirit“, den Geist der Bohème, mit einer bunten Werkfolge von Frédéric Chopin bis Charles Aznavour. Auch eigene Stücke des Quintetts sowie neue Auftragswerke für dasselbe sollen zu hören sein. „Spark“ übernimmt unter dem Motto „Spark for Kids“ zudem auch das Kinderkonzert am gleichen Tag.

Klassisch-kammermusikalisch  wird es dann nochmals im April mit dem Gastspiel des „Sitkovetsky Trios“ aus London. Das Klaviertrio um den Violinisten Alexander Sitkovets-ky, Sohn des bekannten russisch-amerikanischen Geigers und Dirigenten Dmitry Sitkovetsky, wurde 2007 von Studenten der Yehudi-Menuhin-School in England gegründet. Für sein Freinsheim-Debüt nimmt es sich Werke von Beethoven, Dvorak und Chaminade auf die Notenständer.

Den Saisonabschluss bildet dann wie immer Ende Juni das große Open-Air-Konzert im Hof des Von-Busch-Hofs. Es bietet diesmal ein reines Bach-Programm mit dem Geiger Ingo de Haas und dem Cembalisten Sebastian Weinand, den manche(r) vielleicht noch vom Konzert mit dem Schweizer Flötisten Maurice Steger in diesem Februar in Erinnerung hat, als Solisten. Das heimische „Busch-Hof-Consort“ alleine ist mit den Orchestersuiten Nr. 3 und Nr. 4 zu erleben.

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Veranstaltungsort der Konzerte ist der Von-Busch-Hof in Freinsheim. Einzelkarten (28/10 Euro, Neujahrsgala und Open-Air-Konzert: 40 Euro, Kinderkonzert: 10 Euro) sowie Abos für die Saison (249 Euro) gibt es unter www.vbh-konzertant.de

DIE TERMINE                           

Die Saison 2026/27

Sonntag, 20. September,

17.30 Uhr: „Auftakt“ mit der Staatsphilharmonie

Samstag, 10. Oktober, 20 Uhr: Hanna-Elisabeth Müller (Sopran) und ein Kammerensemble der Bayerischen Staatsoper Samstag, 31. Oktober, 19 Uhr: Florian Noack (Klavier) Samstag, 12. Dezember,

19 Uhr: Franz Schuberts „Winter-reise“ mit Daniel Behle ( Tenor) und dem „Trio Pascal“

Samstag, 9. Januar 2027,

15 Uhr: Kinderkonzert mit dem Ensemble „Spark“

19 Uhr: Neujahrsgala mit „Spark – die klassische Band“

Samstag, 30. Januar, 19 Uhr: Recital mit Tianwa Yang (Violine) und Nicholas Rimmer (Klavier)

27./28 Februar: 6. Festival „Freinsheim konzertant“ mit Pianist Joseph Moog als Artist in Residence:

Samstag, 19 Uhr: Solo-Recital Sonntag, 17.30 Uhr: Joseph Moog & Friends, Klavierquintette Sonntag, 4. April, 17.30 Uhr:

„Sitkovetsky Trio“, Klaviertrio Sonntag, 23. Mai, 17:30 Uhr: Justus Friedrich Eichhorn (Klavier), Solo-Recital

Sonntag, 27. Juni, 20 Uhr: Open-Air-Konzert mit Ingo de Haas (Violine), Sebastian Wienand ( Cembalo) und dem