Open Air Konzert 2023

Der Abschluss einer aufregenden und erfolgreichen Saison 2022/23: das Open Air Konzert mit Hanna Mangold, Flöte, und Nora von Marschall, Harfe, als Solistinnen, sowie das Buschhof Consort.

Wir danken Frau Kirsch und der Rheinpfalz für den Bericht vom 11.7.2023

Hier der Text in besser lesbarem Format:

Kultur Regional

Mitreißende Energie und zartes Spiel

Zum Ende der Saison gab es am Sonntag, wie alljährlich, ein Open Air Konzert im Von-Busch-Hof in Freinsheim. Immer wieder ein emotionaler Höhepunkt und Schluss eines Jahresprogramms , das man eigentlich als eine ganze Parade von Höhepunkten bezeichnen könnte. Der Außenbereich des Von-Busch-Hofs war voll besetzt.

Von Inge Kirsch

Der Veranstalter, der Verein Von-Busch-Hof Konzertant, ist sehr zufrieden mit der vergangenen Saison. Alle Veranstaltungen seien ausverkauft gewesen, so der Vorsitzende Walter Schunter. Der Kreis der Musikliebhaber habe sich stets vergrößert und sei weit über Freinsheim hinausgewachsen. Man sei nach den Einbußen während der Coronakrise und der anfänglichen Zurückhaltung des Publikums gefragt wie nie.Freinsheim habe sich zu einem „Mekka der Kammermusik“ gemausert. Der Verein könne allerdings mehr Mitglieder gebrauchen, die sich aktiv einsetzen. Im Vorstand seien alle über 70, einer schon über 80. Nachwuchs tue not.

Man hatte den ganzen Tag besorgt geschaut, ob das Wetter wohl halten würde. Gewitter und Stürme waren vorhergesagt. Während des Konzertes blieb der Himmel unbedrohlich, die Vögel, die gerne die Konzerte mit ihrem Gesang begleiten, flogen ziemlich hoch am Himmel.

Im Programm waren, wie immer beim Freiluftkonzert, populäre Stücke aus Klassik und Romantik. Wie immer ist ein Solistenkonzert dabei, dieses Mal ein Doppelkonzert von Mozart für Harfe und Flöte, KV 299, gefolgt von Mozarts Sinfonie Nr. 40 KV 550 und nach der Pause Franz Schuberts fünfte Sinfonie D 485. Diese Schubert-Sinfonie sei, so der künstlerische Leiter der Reihe, Rainer Schick, lange nicht ernst genommen und eher von Laienorchestern gespielt worden. Diese Geringschätzung sei aber heute nicht mehr aktuell. Davon konnten sich die Zuhörer nach der Pause überzeugen. Schick erklärte auch, warum das Solistenkonzert ungewöhnlicherweise am Anfang gespielt wurde. Bei den unsicheren Wetterverhältnissen müsse man auf die Harfe besonders aufpassen, da sie sehr empfindlich sei.

Die Bühne war etwas höher geraten als sonst. Die glänzend goldene Harfe nahm ganz vorne den zentralen Platz ein. So konnte man das Instrument, das bei großen Orchestern immer an der Seite etwas verdeckt steht, genau beobachten. Auch wie es gespielt wird, war eine Entdeckung. Nicht nur mit den Fingern werden die Saiten bearbeitet, auch die flache Hand kommt oft zum Einsatz. Auch gab es zahlreiche Solopassagen und natürlich viele Duo-Passagen mit der Flöte.

So hatte man Gelegenheit, das Harfenspiel so deutlich zu hören, wie selten. Die Harfenistin war Nora von Marschall, eine vielfach preisgekrönte und international gefragte Künstlerin. Die Flöte spielte Hanna Mangold. Sie ist die stellvertretende Solo-Flötistin der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Mitreißende Energie und zartestes Spiel, harmonische Abfolgen, herrliche Duette, die Kombinationen mit den anderen Instrumenten war zu belauschen. Nach dem elegischen Andantino wurde die Musik wieder munter, besonders durch den Einsatz der Bläser.

Hanna Mangold bedankte sich für den Applaus und kündigte eine Zugabe an. Es war der „Tanz um die Tarantel“ komponiert von dem Gitarristen Jörg Teichert. Man habe aber auch ein wenig Mozart darin verpackt. Was folgte, war ein ganz überraschendes Hörerlebnis. Der versteckte Mozart ragte nicht heraus. Es klang wild und orientalisch. Die Harfe diente mit ihrem Holzrahmen auch als Schlaginstrument. Ein Knalleffekt unter den wohlbekannten Stücken des Abends. Das Orchester Busch-Hof Consort spielte wie immer ohne Dirigenten unter der diskreten Leitung des Konzertmeisters Nikolaus Boewer. Das Orchester besteht aus vielen Mitgliedern der Staatsphilharmonie, aber auch aus anderen Orchestern des Bereichs Rhein-Main-Neckar. Hanna Mangold ist auch Mitglied des Orchesters Busch-Hof Consort. Sie spielte nach dem anstrengenden Solo-Part auch in den beiden folgenden Sinfonien.

Mozarts Sinfonie Nr. 40 erklang mit viel Verve, als sei sie ein viel größeres Orchester am Werk. Dunkle Töne grundieren die Musik. Zwei Fagotte kommen hinzu, Celli und Bass haben tragende Rollen. Der erste Satz endete mit dem ersten Glockenschlag der Kirchturmuhr. Weiter ging es nach neun Schlägen mit dem düsteren, sogar etwas drohenden aber auch von zartesten Passagen geprägten Andante. Oboe und Flöte folgen einander in leicht zauberischem Wechsel. Das folgende Menuett überrascht mit kräftigen Synkopen.

Nach der Pause Schubert. In diesem Jugendwerk kommt er fast ohne Schwermut aus. Eine Fülle eher ländlicher Melodien, schöne Klangfarben, eine durchsichtig wirkende Kombination der verschiedenen Instrumente, besonders der Bläser, lässt aufhorchen. Als 19-jähriger hat er diese Sinfonie geschrieben, während er in Wien eine musikalische Ausbildung am „K & K Stadtkonvikt“ absolvierte und dort Mozart und Haydn studierte. Seine fünfte ist angelehnt an Mozarts Nr. 40. Die Orchesterbesetzung ist die nämliche und auch in den Sätze gibt es Anklänge. Doch Schuberts eigener Stil, die Erweiterung der Klänge in die Romantik ist bereits erkennbar. Hier probiert er sich aus.

Ein sehr harmonischer Ausklang des Konzertes. Es gab viel Applaus. Musiker und Publikum in bester Stimmung.

Info

Die nächste Saison beginnt, wie in den vergangenen Jahren, mit einem Festival. Es dauert drei Tage, vom 13. bis 15. Oktober. „Artist in Residence“ ist Antje Weithaas
Näheres unter www.vbh-k.de

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Bad Dürkheimer Zeitung – Nr. 158
Datum Dienstag, den 11. Juli 2023
Open  Air Konzert 2023