Armida Quartett

Frank Pommer, Chefredakteur Kultur der Rheinpfalz, hat gerade eine neue Veröffentlichung des Armida Quartetts als CD des Monats mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart vorgestellt.

Wir freuen uns, dass wir dieses Spitzenquartett am 10. September im Rahmen des 2. FESTIVALS FREINSHEIM Konzertant im Von-Busch-Hof erleben dürfen.

 

Zwecks besserer Lesbarkeit hier nochmals der Text des Artikels:

Ein musikalisches Tagebuch

CD des Monats: das Armida Quartett spielt Mozart

Von Frank Pommer 

Bei Volume fünf seiner Mozart-Einspielungen ist das Armida Quartett mittlerweile angekommen. Man lernt neben dem vermeintlichen Götterliebling Mozart auch einen sehr ernsten, nachdenklichen Komponisten kennen. Nicht alles war so unbeschwert bei diesem Komponisten, wie es vordergründig vielleicht in den Werken klingen mag.

Eingespielt haben die vier Musikerinnen und Musiker – Peter-Philipp Staemmler am Cello, Martin Funda und Johanna Staemmler an der Violine sowie Teresa Schwamm an der Viola – die frühen Streichquartette Nummer 3 (G-Dur, KV 156), 5 (F-Dur, KV 158), 10 (C-Dur, KV 170), 11 (Es-Dur, KV 171), 13 (d-Moll, KV 173), 15 (d-Moll, KV 421) und 16 (Es-Dur, KV 428).Entstanden sind die Quartette während Mozarts dritter Italienreise zusammen mit seinem Vater. Dieser schreibt an die Mutter, dass sich der Sohn wohlbefinde und aus „Langeweile“ Quartette schreiben würde. Aus Langeweile? Man kann sich das bei keinem einzigen Takt, den das Genie Mozart komponiert hat, vorstellen, dass der Schöpfungsimpuls Langeweile gewesen sein könnte. Vielleicht sollte man Zweckfreiheit sprechen, was den Kern dieser sechs Quartette schon eher trifft.

Sie haben keinen äußeren Anlass, es gibt keinen Auftraggeber, und sie müssen auch keine Rücksicht auf Konventionen nehmen. Mozart testet sein Können in dieser Gattung, er experimentiert mit Stilen und formalen Mustern. Und er findet zu unterschiedlichsten Ausdrucksmöglichkeiten, die Stimmung in den Quartetten wechselt quasi mit jedem Satz, weshalb man sie vielleicht dann doch als das musikalische Tagebuch einer Italienreise verstehen könnte.

Das Faszinierende an der Wiedergabe dieser Kompositionen durch das Armida Quartett ist, dass die vier Musikerinnen und Musikern mit viel Sensibilität und großem musikalischen Gestaltungswillen diesen Stimmungen nachspüren. Wir lernen einen mal nachdenklichen, dann wieder freudig erregten, mitunter gar impulsiv aufbrausenden Mozart kennen, der sich auch mit diesen Werken – vielleicht sogar gerade mit diesen – vom Vater zu emanzipieren versucht.

Am intensivsten ist der Höreindruck in den d-Moll-Quartetten der Sechsergruppe, also den Quartetten KV 173 und 421. Dass ein 16-Jähriger eine solche musikalische Reife besitzt, würde bei jedem anderen Musiker überraschen – bei Mozart natürlich nicht. Das Berliner Armida Quartett.

Foto: Oliver Borchert/gratis

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Bad Dürkheimer Zeitung – Nr. 181
Datum Samstag, den 6. August 2022
Seite 28