Kinder-/Familienkonzert Peer Gynt

Peer Gynt auf der Suche nach dem Glück

Was für ein wunderschönes Konzert für Kinder und Erwachsene!

Ilona Christina Schulz im Kleid einer Norwegerin, die die Kinder zum begeisterten Mitmachen animierte, 11 Musiker des Busch-Hof Consorts, die die wunderschöne Musik von Edvard Grieg zu Peer Gynt darboten und dabei auch noch hin und wieder als Theaterakteure die Handlungen unterstützten, Kinder, die vor der Bühne Szenen durch Tanz und Bewegung nachvollzogen, und Erwachsene, die lächelnd und teilweise mit glänzenden Augen das ganze Geschehen verfolgten.

Der veranstaltende Verein Von-Busch-Hof Konzertant hat keine Kosten und Mühen gescheut, mit dieser Mischung aus Musik und Illusion Kindern Musik näher zu bringen. Das ist Teil seiner selbstgestellten Aufgabe als kulturschaffender Verein.

Zum Glück war Frau Kirsch zugegen und hat für die Rheinpfalz diesen Bericht geschrieben:

Kultur Regional

Ausflug in die Märchenwelt

Edvard Griegs Peer Gynt im Freinsheimer Von Busch-Hof

Von Inge Kirsch 

Freinsheim. Das Freinsheimer Orchester Busch-Hof Consort gab am Sonntagmorgen ein Konzert für Kinder und deren Familien. Die Musik stammt aus Edvard Griegs Orchestersuite „Peer Gynt“, Ilona Schulz dramatisierte die Geschichte des Lügenbolds, der sein Glück sucht.

Ursprünglich hatte Grieg diese Musik geschrieben zu einem Bühnenstück von Henrik Ibsen, dann aber verarbeitete er es zu einer zweiteiligen Orchestersuite ohne jegliche Dialoge oder sonstige Versatzstücke aus der Theaterversion. Die in Freinsheim aufgeführte Version war nahe am Original, Geschichte und Musik ergänzten sich. Im Kinderkonzert kommt allerdings noch etwas dazu: das Publikum!Die Kinder, vom Kindergartenalter bis zum Grundschulalter, sitzen nicht gerne still. Sie hören zu, aber dann dürfen und sollen sie mitmachen. Ilona Schulz hat die Art von Bühnenpräsenz, die es dem Publikum, ob klein oder groß, leicht macht, sich zu beteiligen. Sie wirbelt auf die Bühne, in einem Trachtenkleid: Häubchen, Schürze, Stickerei. Die Kinder sollen raten, woher sie kommt. „Die Schweiz“, „Holland“ werden gleich aus dem Publikum angeboten. Norwegen wird schließlich auch geraten, und schon geht es los, wie ist dort die Landschaft? – man kann sie hören. Das Orchester – zwei Violinen, eine Viola, ein Cello, ein Kontrabass , ein Horn, je eine Klarinette, Oboe und Flöte und ein Schlagwerk – spielt eines der bekanntesten Stücke aus der klassischen Musik: die „Morgenstimmung“. Man hört die erwachende Natur, Vogelstimmen, Winde, Kuhlaute, Enten. Allmählich wird es lauter, der Tag beginnt. Wenn man lauscht, kann man all das heraushören.

Peer Gynt, ein Junge, der gerne Geschichten erfindet, geht im Nachbardorf zu einer Hochzeit. Dort wird getanzt. Da tanzen alle mit. Das Orchester vollführt einen Sitztanz, die Kinder stehen auf und tanzen Freistil oder versuchen, den Tanz, den Ilona Schulz auf der Bühne vollführt, mitzumachen. Wenn Peer Gynt zum Reich des Bergkönigs kommt, lernt er die schwerfälligen Trolle, die etwas agileren Kobolde und die fixen Zwerge kennen. Auch hier ergeben sich wieder Bewegungen, die dumpfen der Trolle, die munteren der Kobolde und das schnelle Gezappel und Gerede der Zwerge, ein Stück für einzelne Instrumente, fürs ganze Orchester und, natürlich, für das Publikum, das freudig mitmacht. Der Bergkönig gerät in Zorn, die Pauken sind zu hören , die Musik schwillt bedrohlich – da läuten die Kirchenglocken, der Schlagzeuger schlägt zwei Glockenstangen an – da beruhigt sich die Szene, der heidnische Trubel der Leute des Bergkönigs verstummt.

Peer entkommt und beschließt, die Welt kennenzulernen und sein Glück in der Ferne zu suchen. Ähnlich wie die Kinder es kennen durch das Lied „Hänschen klein …“. Die Kinder singen es mit Orchester. Während Hänschen zu seiner Mutter zurückkehrt, fährt Peer in die Welt. Die Musik wird orientalisch, sein Schiff gerät in Stürme, es wird ihm gestohlen und durch einen Blitz vernichtet. Die Kinder machen Wind, Sturm und Donner mit. Die Musiker reden in unverständlichen fremden Sprachen, Ilona Schulz vertont sprachlich eine Kamelkarawane, so komisch, dass die Kinder lachen müssen. Das Horn wiehert, als sei ein großes Pferd im Raum. In der Ferne hört man eine sehnsuchtsvolle Melodie. Es ist das Lied der Solveig, Peers Freundin, die in Norwegen auf seine Rückkehr wartet. Peer begreift, dass sein Glück nicht in der Ferne, sondern zu Hause bei Solveig zu finden ist. Er muss jetzt nicht mehr angeben und einen großen Helden aus sich machen. Damit enden seine Abenteuer. Die „Norwegerin“ Ilona Schulz, geht nach Hause, die Kinder winken. Es gibt viel Applaus. Die Musik klingt nach.

Info

Das nächste Konzert des Vereins ist am Sonntag, 24. April, um 17.30 Uhr. Auf dem Programm steht Hugo Wolf: Italienisches Liederbuch mit Nikola Hillenbrand, Sopran, und Johannes Kammler, Bariton.

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Bad Dürkheimer Zeitung – Nr. 87
Datum Mittwoch, den 13. April 2022
Seite 15